Zurück auf den Platz: Warum ehemalige Tennisspieler*innen den Wiedereinstieg finden

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Der Schläger liegt längst im Keller. Die letzte Mannschaftsmeldung ist Jahre her. Dazwischen liegen Studium, Beruf, Familiengründung oder andere Hobbys. Und trotzdem gibt es diesen einen Moment. Ein Freund fragt nach einem Doppel. Die Kinder möchten Tennis ausprobieren. Oder es entsteht einfach der Wunsch, wieder mehr Sport zu treiben und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Plötzlich ist der Gedanke wieder da: „Eigentlich würde ich gerne wieder Tennis spielen.“
Genau diesen Weg zurück auf den Platz hat die Masterarbeit „Zurück auf den Platz – eine qualitative Studie zum Wiedereinstieg Erwachsener in den Tennissport“ untersucht. Die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse für Vereine, die neue Mitglieder gewinnen und ehemalige Tennisspieler*innen zurückholen möchten.

Die größte Überraschung: Es geht nicht zuerst um Tennis

Wer Erwachsene für den Tennissport zurückgewinnen möchte, sollte nicht nur über Vorhand, Aufschlag oder Fitness sprechen. Denn die wichtigste Erkenntnis der Studie lautet: Menschen kehren vor allem wegen der Gemeinschaft zurück.
Familie, Freundinnen, Vereinsmitglieder oder Mannschaftskolleginnen spielen beim Wiedereinstieg eine zentrale Rolle. Das Bedürfnis nach sozialen Kontakten und Zugehörigkeit zieht sich durch nahezu alle Interviews.
Viele suchen nicht einfach einen Sport.
  • Sie suchen Menschen.
  • Sie suchen eine Gemeinschaft.
  • Sie suchen einen Ort, an dem sie dazugehören.
Was bedeutet das für deinen Verein?
Wer in seiner Kommunikation ausschließlich den sportlichen Aspekt betont, lässt großes Potenzial liegen.
Zeige stattdessen:
✅ Vereinsleben
✅ gemeinsame Aktivitäten
✅ Mannschaftsgefühl
✅ Begegnungen auf und neben dem Platz

Denn genau dort liegt häufig der Schlüssel zum Wiedereinstieg.

Das Comeback-Motiv, das Vereine kennen sollten

Ein Ergebnis sticht besonders hervor. Viele Wiedereinsteiger*innen beschrieben, wie motivierend das Gefühl war, nicht wieder bei null anfangen zu müssen. Frühere Erfahrungen, bekannte Bewegungsabläufe und positive Erinnerungen machten den Schritt zurück deutlich leichter.
Genau das unterscheidet Wiedereinsteiger von echten Anfänger*innen. Wer früher Tennis gespielt hat, bringt etwas Wertvolles mit:
  • Erinnerungen
  • Erfahrungen
  • vorhandene Fähigkeiten
  • emotionale Bindungen zum Sport
Schon nach kurzer Zeit entstehen häufig erste Erfolgserlebnisse. Dieses Gefühl, an etwas Vertrautes anknüpfen zu können, wird in der Studie als einer der stärksten Motoren des Wiedereinstiegs sichtbar.

Vereins-Tipp:
Sprich ehemalige Spieler*innen gezielt an: „Du hast früher Tennis gespielt? Dann ist jetzt der perfekte Zeitpunkt für dein Comeback."

Was Menschen vom Wiedereinstieg abhält

Der Weg zurück auf den Platz ist nicht immer einfach. Die Befragten nannten verschiedene Hürden, die Vereine kennen sollten.
Viele setzen sich selbst unter Druck.
Sie vergleichen sich mit ihrem früheren Leistungsniveau und erwarten, sofort wieder so gut zu spielen wie vor zehn oder fünfzehn Jahren. Bleibt dieses Erfolgserlebnis aus, entsteht Frust. Auch mangelnde Fitness wurde als Hürde genannt.
Ein wenig aktives Vereinsleben, fehlende Kontakte oder eine wenig einladende Atmosphäre können den Wiedereinstieg erschweren. Auch mangelnde Familienfreundlichkeit wurde von einzelnen Befragten kritisch wahrgenommen.
Hohe Mitgliedsbeiträge oder fehlende niedrigschwellige Angebote erhöhen die Einstiegshürde zusätzlich.

Wie der Verein die Hürden für den Wiedereinstieg reduzieren kann

Viele Hindernisse lassen sich aktiv beeinflussen.
Die Studie zeigt eindeutig: Soziale Eingebundenheit ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für einen nachhaltigen Wiedereinstieg.
Geeignete Maßnahmen:
  • Wiedereinsteiger-Treffs
  • Patensysteme
  • Mannschaftsintegration
  • Spielpartnerbörsen
  • offene Vereinsabend
Viele Rückkehrer möchten sich zunächst ausprobieren.
Hilfreich sind:
  • Probemitgliedschaften
  • Leihschläger
  • Schnupperangebote
  • zeitlich begrenzte Aktionsangebote
Wiedereinsteiger möchten weder überfordert noch unterfordert werden. Spezielle Trainingsgruppen, organisierte Einheiten und lockere Wettbewerbsformate können helfen, Sicherheit und Spielfreude zurückzugewinnen.
Kinderangebote, Feriencamps, generationsübergreifende Veranstaltungen oder einfache Aufenthaltsmöglichkeiten auf der Anlage können den Wiedereinstieg deutlich erleichtern.
Quelle: Schendzielorz, R. F. (2026). Zurück auf dem Platz – eine qualitative Studie zum Wiedereinstieg Erwachsener in den Tennissport [Thesis]. In P. Born (Hrsg.), Masterarbeit im Unterrichtsfach Sport. Deutsche Sporthochschule Köln.