Falko Gebhardt: „Wollen eine rechtlich sichere Basis für die Vereinsarbeit ermöglichen“

Falko Gebhardt ist Leiter Organisation & Recht beim Deutschen Tennis Bund (DTB). Aktuell arbeitet er eng mit der Sportentwicklung zusammen, um Vereinen bei rechtlichen Fragestellungen zu helfen. Unter anderem wird es beim ersten DTB Vereinsforum Musterverträge für das Vereinspersonal geben, wie er im Interview verrät.

Falko Gebhardt ist Leiter Organisation & Recht beim Deutschen Tennis Bund (DTB). Aktuell arbeitet er eng mit der Sportentwicklung zusammen, um Vereinen bei rechtlichen Fragestellungen zu helfen. Unter anderem wird es beim ersten DTB Vereinsforum Musterverträge für das Vereinspersonal geben, wie er im Interview verrät.

Du sprichst beim ersten DTB Vereinsforum am 7. und 8. Januar in München über das Thema Scheinselbstständigkeit. Was ist das?

Scheinselbstständigkeit liegt immer dann vor, wenn eine Person nach außen zwar als selbstständiger Unternehmer auftritt, aber in der Beschäftigung vom Auftraggeber abhängig ist. Auch die Aufgaben gleichen den Aufgaben einer abhängig beschäftigten Person.  

Tritt Scheinselbstständigkeit ausschließlich in Tennisvereinen auf?

Nein, das ist ein allgemeines Problem, insbesondere auch im Vereinswesen. Der Vereinssport in Deutschland lebt in erster Linie vom Ehrenamt. Vieles wird freiwillig geleistet und nur wenige größere Vereine können sich festes Personal leisten. Als Zwischenlösung greifen Vereine dann häufig auf Honorarkräfte zurück, die freiberuflich agieren. Der Vorteil ist, dass das Personal mit geringerem finanziellem Aufwand und flexibler eingesetzt werden kann.

Der Einsatz von Honorarkräften ist aber erst mal nichts Schlechtes. Warum spricht man dann häufig von Scheinselbstständigen?

Ein Freiberufler organisiert seine Arbeit eigenständig, teilt seine Arbeitszeit selbst ein, nutzt sein eigenes Material. Der Verein hat aber naturgemäß gewisse Zwänge, an die sich der Beschäftigte halten muss, sodass ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis – mithin eine Scheinselbstständigkeit entsteht. Solche Faktoren sind zum Beispiel, dass das Kindertraining immer zu vom Verein festgelegten Zeiten vormittags stattfindet oder aber, dass das Trainingsmaterial häufig dem Verein und nicht dem Trainer gehört.

Aber wo liegt denn darin das Problem?

Die Grenze zur abhängigen Beschäftigung wird sehr schnell überschritten, ohne dass es dem Verein oder Trainer bewusst ist. In der Folge führt dies zum Problem, dass dadurch die sozialversicherungspflichtige Anstellung umgangen wird. Sollte das von der Deutschen Rentenversicherung geprüft und beanstandet werden, müssten die ‚ersparten‘ Beiträge unter Umständen über Jahre nachgezahlt werden.

Was können Vereine tun, um das zu vermeiden?

Entweder man schafft im Verein klare Kriterien beziehungsweise Bedingungen für ein freiberufliches Arbeitsverhältnis oder man findet alternative Beschäftigungsmodelle.

Die da wären? 

Diese sind vielfältig und müssen auf den Einzelfall bezogen abgestimmt werden. Auf der sicheren Seite ist der Verein in jedem Fall mit einer Festanstellung des Trainers im Normalarbeitsverhältnis. 

Dazu kann jeder Verein die Form der Beschäftigung bestenfalls im Vorfeld der Tätigkeitsaufnahme von der Deutschen Rentenversicherung prüfen lassen.

Gibt es auch in der Verbandsstruktur Anlaufstellen, die Hilfe anbieten?

Klar, die Sportentwicklung setzt sich mit diesen Themen rund um die Vereinsorganisation auseinander. Zwangsläufig gehören auch rechtliche Fragestellungen sowie das Personalmanagement in einem Verein dazu. Beim Deutschen Tennis Bund erarbeiten wir gerade Musterverträge und Blaupausen, die wir Anfang des kommenden Jahres beim Vereinsforum präsentieren werden. 

Außerdem stehen die Kollegen und die Vereinsberater aus den jeweiligen Landesverbänden bei Fragen zur Verfügung.

Noch einmal zusammenfassend. Was haben die Anwesenden nach deinem Vortrag beim DTB Vereinsforum gelernt?

Die Zuhörer erkennen die Gefahren rund um das Thema Scheinselbstständigkeit frühzeitig. Gleichzeitig kennen sie danach Ansätze, um die Probleme bei sich im Verein zu lösen oder sie erst gar nicht entstehen zu lassen.

Als Dachverband wollen wir den Vereinen dadurch eine rechtlich sichere Basis für die Vereins- und Trainerarbeit ermöglichen.

 

Interview: Leon Elfers

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